Hurra! Der Wutbürger ist da!

Posted on Oktober 13, 2010

2


 

copyright: Peter Hebgen / pixelio.de

 

Da vergleicht doch wirklich jemand (Dirk Kurbjuweit in seinem Essay ‚Der Wutbürger‘ im aktuellen Spiegel Nr. 41) die Stuttgart21 Gegner mit den Befürwortern Sarrazins. Und zwar auf der Basis mangelnder ‚Continence‘. Der ansonsten eher sozialkritische Autor, dem wir Bücher wie bspw.Die Diktatur der Ökonomie‘ verdanken, hat hier seine bürgerlichen Wurzeln entdeckt und rät zum Lesen der ‚Buddenbrooks‘.

Der Wutbürger denke nur an sich, nicht an die Zukunft seiner Stadt und verstünde nicht die Tragweite von zukunftsweisenden Projekten wie bspw. Stuttgart21. Andererseits benähmen sich die Befürworter Sarrazins wie der Mob, in dem sie die Kritiker Sarrazins nierderschrien und verhöhnten. Beiden stünde, so Kurbjuweit, Continence gut zu Gesicht. Hier wird einmal mehr nach einer einfachen Formel und Sprache gesucht um komplexe und sich widersprechende Haltungen zu erklären. Die Ausübung eines demokratischen Grundrechts wie bspw. ziviler Ungehorsam wird mit der perfiden Haltung der ewig Gestrigen in einen Topf geworfen. Zu welchem Zweck? Um durch Augenwischerei die eine Haltung, die der Sarrazin Gegner, zu rechtfertigen um die andere Haltung, die der Stuttgart21 Gegner, zu diskreditieren? Der Gedanke beschleicht einen schnell, beim Lesen des Essays.

Wahnwitzig sind seine Ausführungen zu Stuttgart ‚als Metropole‘ und beklemmend sein Plädoyer für die Wiedereinführung des seit langer Zeit abgelegten kleinbürgerlichen Spießertums in deutschen Landen. Ich kann nur hoffen, dass Kollege Kurbjuweit wieder zurückkehrt zum Schreiben von Romanen und Novellen. Der Kommentar zu aktuellen politschen, sozialen und ökonomischen Entwicklungen liegt ihm nicht und trägt eher zur Volksverblödung bei.

Für eines jedoch möchte ich Hrn. Kurbjuweit danken: für das Wort des Jahres 2010 (Der Wutbürger) und hoffe, dass auch der Rest der Republik diesen Begriff bald mit eigenen Inhalten füllt und ihn selber definiert; vernab von Thomas Mann und Continence. Gut gebrauchen könnten wir es.

Advertisements
Posted in: Uncategorized