Yes, you can!

Posted on November 4, 2010

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copyright: Dieter Schütz / pixelio.de

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Ach, du gute Güte. Da wird nun dem geplagten Hrn. Obama noch mehr Druck gemacht, als er ohnehin schon hat. Und dabei wollte er doch nur mit einer Reformierung des unsozialsten Gesundheitswesens des Planeten ein stärkeres Miteinander seiner Landsleute motivieren.  Manche von uns fragen sich anhand der aktuellen Entwicklungen wie bspw. einer unsäglich rückwärts gewandten Tea-Party Bewegung, ob die ehemaligen Freunde eigentlich noch ganz bei Trost sind. Und das völlig zu recht! Sie singen das alte Lied der fehlenden Repräsentation des Mehrheitswillens und des Pathos der vermeintlich von linken Mächten Unterdrückten und Ausgeplünderten. Dazu gehören die bigotten Behauptungen der Demonstrant­Innen, Obama tue nicht viel anderes, als das, «was Hitler in Deutschland gemacht hat», oder die Ankündigung, mit dem Blut des liberalen Establishments den Baum der Freiheit giessen zu wollen.

Werfen wir doch mal einen Blick auf den wahren Kern des Problems unserer Freunde in Übersee: auf den Zusammenhang zwischen Produktivität, Löhnen und Arbeitslosigkeit. In den USA lag das jährliche Durchschnittseinkommen von Männern in den 70er Jahren noch bei ca. 45.900 Dollar. 2007 waren es dann nur noch ca. 45.100 Dollar (Zahlen aus dem aktuellen Spiegel). Und das obwohl jährliche Produktivitätssteigerungen von durchschnittlich 2,5 % erzielt wurden. Natürlich sind in den vergangenen 30 Jahren auch alle Lebenshaltungskosten exorbitant gestiegen; von ständig zunehmenden Inflationsraten und einer Verdoppelung der Arbeitslosigkeit auf mittlerweile 15% ganz zu schweigen. Und wie haben die US-Bürger (neudeutsch auch ‚Consumer‘ genannt) es dann geschafft, bei gleichbleibenden bzw. fallenden Löhnen und steigenden Kosten den Lebensstandard zu halten und auszubauen? Na, sie haben sich einfach ein bischen Geld geliehen. Und dann ein bischen mehr. Und wer hat daran verdient? Na, die Unternehmen, für die sie arbeiten. Und natürlich die Banken.

Was stimmt nun nicht an diesem Bild? Wie kann es sein, dass Unternehmen immer produktiver arbeiten, größere Umsätze und Gewinne einfahren, gleiche oder geringere Löhne zahlen und dabei immer weniger Menschen beschäftigen, die schließlich ihre Waren (auf Pump) kaufen sollen? Ganz einfach: der gesamte amerikanische Arbeitsmarkt partizipiert in keiner Weise mehr an den Produktivitätszuwächsen wie noch zu Zeiten des New Deals. Ein Programm von Franklin Delano Roosevelt aus den 30er Jahren das bspw. der Armut den Krieg erklärte, sich für soziale Gerechtigkeit stark machte und als Grundpfeiler Bildung und Gesundheit für alle propagierte.

Die Probleme sind der menschenfeindlichen Idee des totalen Kapitalismus geschuldet und damit also systemimmanent. Sie können weder von einer völlig wahnsinnig gewordenen Bande gefährlicher Republikanhänger noch von chronisch-gierigen und egomanischen Neoliberalen gelöst werden. Es bedarf eines neuen ‚New Deals‘! Die Menschen müssen wieder im Mittelpunkt der Überlegungen und Handlungen stehen und dürfen nicht mehr als ‚Konsumenten‘ defamiert und reduziert werden. Es Bedarf einer Rücksbesinnung auf sozial-marktwirtschaftliche Regeln mit einer Neuausrichtung auf die gegenwärtigen Aufgabenstellungen. Hatten wir mit der Wahl von Obama nicht alle gehofft, dass die amerikanischen Freunde genau dies erkannt hätten? Da will man ihnen doch einfach nur zurufen: „geht doch weiter! Ihr habt doch schon den Anfang gemacht. Glaubt doch an Euch! Yes, you can!“

p.s. Im übrigen – für alle, die meinen, dies sei ein amerikanisches Problem: genau das gleiche Bild zeichnet sich in Deutschland und allen anderen zentraleuropäischen Staaten ab. Das ist kein US Problem, sondern grassiert überall dort, wo das amerikanische ‚Modell‘ in den letzten 30 Jahren Einzug gehalten hat. Auch ihr seid aufgefordert: wehrt Euch gegen den Abbau der Sozialsysteme!

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